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Buchhandlung Lauf

Rezensionen

Adeline Dieudonné
12 Rezensionen

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Hyänen 24. Mai 2020
Ein wirklich starker Debutroman einer jungen Autorin. Erzählt aus Sicht eines anfangs 10-jährigen Mädchens in einer ganz normalen Reihenhaussiedlung. Sie liebt ihren jüngeren Bruder Gilles und beschützt ihn vor dem gewalttätigen Vater.

Die Mutter hat Angst vor ihrem Mann der außer der Jagd nur seinen Whiskey und Fernsehen mag. Ein tragisches Ereignis im Sommer verändert alles. Das Mädchen sucht nach jemanden der sie in den Arm nimmt und die Welt wieder geraderückt. Der Bruder verändert sich zusehends. Er spricht nicht mehr und verbringt viel Zeit in dem Zimmer in dem der Vater seine Jagdtrophäen aufbewahrt.

Das Mädchen hat den sehnlichsten Wunsch eine Zeitmaschine zu bauen und die Zeit zurück zu drehen. Sie entwickelt einen starken Ehrgeiz für alles Naturwissenschaftliche. Etwas Normalität findet sie bei einem älteren Professor. Um die vor dem Vater geheimgehaltenen Stunden zu bezahlen, geht sie Babysitten bei einer jungen Familie in der Siedlung.

Als sie bemerkt das sie älter wird, fürchtet sie sich vor den Ausbrüchen des Vaters und fühlt sich zu dem Familienvater hingezogen.

Der Schreibstil ist schnörkellos und doch gewaltig. Man kann sich gut in die Gemütslage des Mädchens hineinversetzen und ist geschockt von dem Familienleben.

Das Cover ist verwirrend und erinnert mit dem springenden Hasen eher an ein anderes bekanntes Buch. Auf jeden Fall ist es ein Hingucker und absolut lesenswert.
Eine brutale Coming of Age Geschichte 10. Mai 2020
In einer Reihenhaussiedlung wohnt die namenlose, 10-jährige Ich-Erzählerin, gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder. Die Erzählerin hat es sich zur Aufgabe gemacht auf ihren 6-jährigen Bruder aufzupassen, ihn zum Lachen zum bringen und ihn vor den Wutausbrüchen des Vaters zu beschützen. Der Vater hat die Großwildjagd zum Hobby und ein ganzes Zimmer im Haus mit Trophäen eingerichtet. Ansonsten sitzt er vorm Fernseher, schaut am liebsten die Nachrichten und trinkt Whisky. Die Mutter ist wie eine Amöbe, blas, unscheinbar und dem Vater gegenüber wehrlos ausgeliefert.

Eines Tages passiert ein tragischer Vorfall und ihr Bruder verändert sich, er lacht nicht mehr und ist ihr gegenüber feindlich. Die Erzählerin versucht, diesen Vorfall ungeschehen zu machen, die Zeit zurückzudrehen und versucht es mit einem Experiment, an das sie wirklich glaubt. Bei diesem Experiment erkennt sie jedoch, dass sie ihr Leben in die Hand nehmen muss, sie darf nicht Opfer werden, wie ihre Mutter, sie darf sich dem Vater nicht ausliefern.

Der Roman ist von der Sprache geschrieben wie ein Jugendbuch – es wird zu Beginn des Buches aus der Sicht einer 10-jährigen erzählt. Es ist eine typische Coming of Age Geschichte und stellenweise ein Thriller, richtig gruselig und grausig. Mich hat es manchmal an „Friedhof der Kuscheltiere“ erinnert, vor allem, wenn es um ihren Bruder ging.

Eine brutale, grausame Geschichte mit einer starken Protagonistin, für die ich während des Lesens hoffte, dass sie sich aus diesem Leben befreien kann und ihre Hoffnungen und Träume, dafür wofür sie strebte, am Ende wirklich leben kann.
Das Kadaverzimmer 07. Mai 2020
von Miro76
"Bei uns zu Hause gab es vier Schlafzimmer. Meines. Das meines Bruder Gilles. Das meiner Eltern. Und das der Kadaver" (S. 7)

Denn der Vater frönt einem schaurigen Hobby - die Großwildjagd. Außerdem liebt er Whiskey und Fernsehen. Bei Tisch wird nicht gesprochen, außer wenn der Vater seine kleine Hetzjagd zu Hause ausübt, die immer darin endet, dass die Mutter Schläge einstecken muss. Manchmal liegt das schon tagelang in der Luft, doch niemand kann seine Attacken abwehren.

In so einer Atmosphäre aufzuwachsen ist kein Zuckerschlecken. Deshalb versucht die Erzählen alles, um wenigstens ihren kleinen Bruder zum Lachen zu bringen, ihm Liebe zu schenken und ihn vor der Welt zu beschützen. Bis es zur Tragödie mit dem Eismann kommt. Von einer explodierenden Sahneflasche wird ihm das halbe Gesicht weggeschossen, direkt vor den Augen der Geschwister.

Der kleine Bruder wird niemals mehr der selbe sein. Sein Lachen ist verschwunden und in seinem Kopf macht sich eine Leere breit, die schon bald von Gewalt und Aggression besetzt wird.

Die Erzählerin ist sehr schlau. Sie lernt fleissig, taucht in die Quantenphysik ein und möchte in der Zeit zurückreisen, um diese Tragödie ungeschehen zu machen.

Adeline Diedonné hat in diesem Buch eine gruselige Atmosphäre geschaffen. In dieser Reihenhaussiedlung kümmert sich niemand um die Nachbarn, doch die junge Erzählerin trifft trotzdem immer wieder auf Menschen, die ihr Kraft geben und sie unterstützen. Diese Mädchen hat ein klares Ziel und tut alles dafür, um es zu erreichen, denn sie muss ihren kleinen Bruder retten.

Als Leser*in fragt man sich ständig, was noch alles passieren muss, bis diese Familie zerbricht, oder sich die Schwächeren daraus befreien. Aber häusliche Gewalt ist nicht zu einfach zu verstehen, denn die Opfer haben oft einfach nicht die Kraft sich zu wehren.

Hier kommt es nach einem unglaublichen Spannungsbogen zu einem finalen Showdown, den ich so nicht erwartet hätte. Ab der Hälfte war das Buch so spannend, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Dieudonné hat mit diesem Mädchen eine tolle Protagonistin geschaffen, die keine Superheldin ist und sein möchte. Die immer wieder strauchelt und fällt, sich immer wieder aufrappelt und nicht verzagt. Ihre Superkraft ist Resilienz und es ist beeindruckend, wie viele Empathie aus so einer lieblosen Familie erwachsen kann.

Ich habe die Lektüre sehr genossen, obwohl die Thematik schwierig und bedrückend ist. Doch die Erzählung aus der Sicht des Kindes ist gleichzeitig locker und selbstverständlich. Sie hinterfragt nicht. Sie nimmt ihr Leben wie es ist und möchte es einfach besser machen.

Und außerdem ist die Geschichte unglaublich spannend!
Das Gelächter der Kadaver 06. Mai 2020

Ein Roman, härter und brutaler und grausamer als jeder mir bekannte Thriller. Ein Roman, der mit Peitschenhieben durch die Seiten treibt. Ein ganz und gar unglaublicher Debüt-Roman, der absolut nicht geeignet ist für empfindsame Leser.
Das zehnjährige Mädchen, die Ich-Erzählerin ohne Namen, und ihr kleiner Bruder Gilles leben in einer uniformierten Reihenhaussiedlung. Die Mutter wird beschrieben als eine Amöbe, ein graues, unsichtbares Nichts. Der Vater dagegen hat große Leidenschaften, nämlich die Jagd, Fernsehen, Whisky und in Prügeln sprechende Wutanfälle. Als eines Abends vor den Augen der beiden Kinder ein entsetzliches Unglück passiert, verändert sich das Leben schlagartig. Das glockenhelle Lachen von Gilles stirbt für immer. Und das Mädchen kämpft mit aller Kraft darum, dieses Lachen wieder zurückzuholen. Ihre überragende Intelligenz und ihr Mut helfen ihr, sich eine ganz eigene Welt zu konstruieren, eine Welt der Hoffnung, tief verborgen vor Mutter und Vater. Doch im Verlauf der Zeit entwickelt sich nicht nur ihr Geist, sondern auch ihr Körper, was ihrem Vater nicht verborgen bleibt.
Was für eine Sprache, so unerschütterlich direkt, so unfassbar gewaltig, geradezu von brachialer Kraft. Aber auch Feines erspürend, wenn zum Beispiel die Autorin innerseelische Vorgänge über das differenzierte Schildern von Gerüchen zum Ausdruck bringt. Der Roman benutzt unglaublich starke Bilder, die mit ungebremster Wucht direkt zum emotionalen Zentrum des Lesers vorstoßen, Flucht unmöglich. Und diese intensiven Bilder hinterlassen Einschusslöcher im Kopfkino, wie Kriegswunden, unheilbar. Dazu wirken die kurzen Kapitel wie Schlaglöcher, in die der Leser rumpelnd hineinstürzt und die ihn immer wieder fast zu Fall bringen. Ein Roman, der mit unfassbar großer literarischer Kraft „das wirkliche Leben“ in der ganzen Bandbreite von schön bis schrecklich auf 230 Seiten bannt.
DAS LACHEN DER HYÄNE 04. Mai 2020
Ich kann es vollkommen nachvollziehen, dass Adeline Dieudonnés Romandebüt in Frankreich so erfolgreich angenommen und mit Preisen überhäuft wurde. Das einzigste, was mich an dem Buch stört, ist die Tatsache, dass es nur 239 Textseiten hat.
Zum Inhalt:
Aus der Sicht des namenlosen Mädchens erfolgt die Erzählung über einen ungefähren Zeitraum von fünf Jahren. Zu Beginn ist sie 10 Jahre alt und der kleine Bruder Gilles vier Jahre jünger. Mit ihren Eltern bewohnen sie ein schönes Haus am Waldrand. Rein äußerlich erscheint ihr Leben normal. Doch hinter der Fassade herrscht alles andere als Idylle. Es sind sehr schlimme Verhältnisse, in der die Geschwister aufwachsen.
Da ist zum einen der gewalttätige, sauffreudige Vater mit seinem rauschhaften Hang zur Jagd und auf der anderen Seite die stoische, duldsame und unscheinbare Mutter, die ihre uneingeschränkte Gunst nur den Haustieren widmet! Das Mädchen nennt sie die Amöbe.
Mit dem schrecklichen Unfall des Eismannes, der vor den Augen der beiden Kinder geschieht, erlischt die Lebensfreude des kleinen Jungen. Sein herzliches „Milchzahnlachen“ verstummt und nur seine Schwester kämpft für ihn. Sie will die Zeit überlisten, eine Zeitmaschine bauen und tut alles in ihrer kindlichen Auffassung dafür. Mit großem Eifer und mit immer stärker werdenden Selbstbewußtsein beginnt sie Wissen in sich aufzusaugen, auch noch, nachdem sie von einer vermeintlich Verbündeten schwer enttäuscht wird. Die Zeit vergeht und wendet sich gegen das Mädchen. Ihr Bruder nimmt die brutalen Verhaltensmuster des Vaters an und sie erregt immer öfter die Aufmerksamkeit des Vaters, der seine Wutausbrüche nicht mehr nur gegen die Mutter wendet. Die Katastrophe kündigt sich an...
Meine Meinung:
Von Beginn an spürt man das Bedrohliche, das Düstere. Die Geschichte fesselt mich von der ersten Seite an. Ich bin sehr beeindruckt von der Schreibweise und der Erzählung aus der Sichtweise des Mädchens. Ich fühlte mich in ihre Gefühlswelt vollkommen hineingezogen. Wie ein roter Faden zieht sich die ausgestopfte Hyäne aus dem furchteinflößenden Trophäenzimmer des Vaters durch ihre Vorstellung. Sie ist regelrecht davon angefixt und verbindet das Tier mit dem Bruder und seiner negativen Entwicklung, seiner sichtbaren Wesensänderung seit dem Unglück.
In einer wunderbaren, klaren und einfachen Sprache wird die dramatische Familiensituation plastisch und nachvollziehbar dargestellt. Die Erzählweise erfolgt sehr eindringlich, ohne Schönfärberei, sehr authentisch und ließ bei mir ein ums andere Mal Bilder im Kopf entstehen, die sicher noch lange nachwirken werden. Dabei drückt sich die Autorin hin und wieder in einer poetischen Art und Weise aus, die ich bei dem erdrückenden Thema der häuslichen Gewalt so nicht erwartet hatte. Also: Die Macht der Sprache haut mich wirklich um. Viele einprägsame Sätze habe ich in meine Zitatensammlung aufgenommen.
Ihre Stärke, die psychische Widerstandskraft des Mädchens, ihre Fähigkeit sich in schwierigsten Familiensituationen zu behaupten, sich nicht verbiegen zu lassen, wird eindrucksvoll über den gesamten Roman beschrieben. Sie ist die Hauptperson, aber am Ende geht sie trotzdem nicht als Siegerin hervor. Es gibt keine Gewinner! Wie erwartet eskaliert die Situation in der Familie schließlich aufs Äußerste. Die Gewalt wird mit Gewalt beantwortet. Übrig bleiben drei Menschen, die mit ihrem weiteren Leben klarkommen müssen. Es endet hoffnungsvoll, aber läßt offen, ob und wie sie es schaffen werden.
Das Monster, die Hyäne wurde besiegt.

Fazit:
„Das wirkliche Leben" ist eine Geschichte, die betroffen macht und mich nachdenklich zurückließ. Es ist ein wichtiges Buch und macht aufmerksam auf gewalttätige Situationen in Familien, die leider aktuell und tatsächlich Alltag sind. Es erhält von mir das Prädikat "besonders wertvoll"!
Ich kann die Lektüre allen empfehlen und bewerte dieses außergewöhnliche Buch mit fünf von fünf Sternen und bedenke es zusätzlich mit vielen Herzchen.
Keine Beute sein! 02. Mai 2020
Es handelt sich um eine packende Darstellung eines schlimmen Familienleben.
Da ist ein gewalttätiger Mann, der seine Frau oft verprügelt und die ganze Familie in Angst hält. Diese Gewalt ist drastisch.
Erzählt wird die Geschichte von der anfangs 10jährigen Tochter.

Es gibt dramatisch geschriebene Passagen. Da ist zum Beispiel die lange Szene nachts im Wald, als der Vater, ein Jäger, bestimmt, dass seine Tochter die Beute sein soll.

Das Buch ist teilweise sehr hart und die physische und psychische kann man als Leser nicht gerade genießen, aber dann packt einen der Roman wieder sehr und man kann nicht aufhören weiterzulesen.
Mich überzeugt, wie das Mädchen versucht, sich zu wehren, aber nicht ihre Menschlichkeit zu verlieren. Sie hat innere Stärke und will kein Opfer sein.

Ein bemerkenswertes Romandebüt. Ich bin gespannt, was von der französischen Autorin Adeline Dieudonné in Zukunft noch kommen wird.
Resilienz 02. Mai 2020
Die zehnjährige namenlose Ich-Erzählerin wächst zusammen mit ihrem kleinen Bruder in einem Elternhaus auf, das von den Gewaltausbrüchen des Vaters geprägt ist. Die Mutter ist von Angst gekennzeichnet, die einzige sichtbare Zuneigung, zu der sie noch fähig ist, ist die zu ihren Haustieren.
Als dann noch ein schrecklicher Vorfall geschieht, spitzt sich die Lage immer mehr zu.

Das mit nur 239 Seiten eher schmale Buch zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit hoffnungslosen Lagen umgehen. Von Resignation, Zusammenschluss mit dem Bösen und Widerstandskraft ist die volle Bandbreite vertreten.

Die Autorin schafft es, die Atmosphäre des Hauses zu real zu schildern, dass man selbst beinahe die Luft anhalten muss, wenn der Vater sich der Tochter und Mutter nähert. Erstaunlicherweise in einem doch eher schnörkellosen, geradlinigen Stil, der jedoch nichts von dem Spüren des Grauens und der Angst nimmt und uns als Lesende betroffen macht.

Mir ist das Buch sehr nahe gegangen, es ist zwar vom Schreibstil sehr leicht zu lesen (Kompliment an die Autorin), aber der Inhalt ist harte Kost. Vor allem, weil dies in ähnlicher Weise so auch ständig um uns herum passiert und man nicht erleichtert den Buchdeckel zu klappen kann, weil die fiktive Geschichte nun ja beendet ist.

Ein Buch mit Nachklang.
keine Bilderbuchfamilie 27. April 2020
"Das wirkliche Leben" von Adeline Dieudonné erzählt die Geschichte einer Familie, die für Außenstehende ganz normal und unauffällig wirkt. Doch in dem kleinen Reihenhaus am Waldrand spielt sich eine Tragödie ab. Der Vater, gewalttätig und grausam, interessiert sich nur für Alkohol, Fernsehen und die Jagd. Und er liebt es, die totale Macht über seine Familie zu haben. In regelmäßigen Abständen misshandelt er seine Frau . Die ist völlig verängstigt, lässt sich verprügeln, ohne auch nur einmal einen Hauch von Gegenwehr erkennen zu lassen. So etwas wie Gefühle, bringt sie eigentlich nur ihren Ziegen entgegen, um die sie sich hingebungsvoll kümmert, während sie ihre beiden Kinder kaum beachtet.

Erzählt wird die Geschichte aus der Ich-Perspektive der Tochter, die zu Beginn 10 Jahre alt ist. Ihr Bruder Gilles ist 4 Jahre jünger und die beiden haben eine sehr enge Bindung zueinander und versuchen gemeinsam die Brutalität ihres Elternhauses zu überstehen und trotz der Trostlosigkeit ihres Zuhauses Spaß am Leben zu haben .
Anfangs gelingt ihnen das auch noch einigermaßen, doch dann werden sie Zeuge eines schrecklichen Unfalls und nach diesem traumatischen Erlebnis ist nichts mehr wie es war, denn Gilles, der bisher immer ein kleiner Sonnenschein und sehr anhänglich war, zieht sich vollkommen zurück, spricht nicht mehr viel und wird sogar richtig gemein. Seine Schwester ist über die Verwandlung ihres geliebten Bruders entsetzt, besonders , als er auch noch anfängt, dem Vater immer ähnlicher zu werden und es genießt, Tiere zu quälen oder gemein zu Mutter und Schwester zu sein.

Das Mädchen möchte einfach nur den schlimmen Unfall, an dem sie sich insgeheim die Schuld gibt, ungeschehen machen und ihren lieben , niedlichen Bruder zurück und dafür schmiedet sie einen ungewöhnlichen Plan.

Inzwischen wird das Leben in der Familie aber immer schwieriger für sie, denn je älter sie wird, umso mehr zieht sie die Aufmerksamkeit ihres Vaters auf sich, der in ihr ein weiteres Opfer für seine Gewaltausbrüche sieht.


Die Geschichte wird über 5 Jahre erzählt und man wird Zeuge, wie das kleine scheue Mädchen sich zu einer mutigen jungen Frau entwickelt, die versucht, sich und ihren Bruder zu retten.

Eine leichte Lektüre ist das nicht und manche Textpassagen waren wirklich nur schwer auszuhalten . Der Vater machte mich unfassbar wütend, aber auch die Mutter, die so schwach ist, alles zu ertragen und nicht mal Hilfe von außen sucht, als sich die Gewalt ihres Mannes auch gegen die Tochter richtet und die anscheinend nicht mal bemerkt oder es nicht bemerken will, wie sich der Sohn zum Negativen verändert. Was für eine gruselige Familie und das Schlimme ist, dass es solche Familien leider wirklich gibt, in denen Kinder aufwachsen müssen, denen keiner hilft.

Der Schluss war nicht ganz so, wie ich ihn mir erhofft hatte und für mich war die Geschichte leider auch noch nicht ganz auserzählt, ich hätte gerne noch erfahren, wie die Kinder das alles verkraftet haben und wie das Familienleben "danach" weiterging und wie sich vor allem Gilles weiterentwickelte. Aber trotzdem ein sehr lesenswertes Buch!
Im Hintergrund die Angst 24. April 2020
Nach Außen hin eine normale Familie, der Vater Jäger und Familienernährer, die Mutter Hausfrau und Ziegenliebhaberin, das Mädchen hochintelligent und fleißig, der Bub nach einem traumatischen Ereignis in sich selbst zurückgezogen und ein Schatten seines Vaters.
Im Hintergrund herrscht Angst und Gewalt, Angst vor dem gewalttätigen Vater, Angst vor den brutalen Tierquälereien des 10 jährigen, Angst davor aufzufiegen, Angst selbst Opfer des Vaters zu werden.
Und trotzdem dreht die Welt sich weiter, entwickelt sich das Mädchen zu einer jungen Frau, überspringt eine Klasse in der Schule, lebt die Mutter weiterhin ihr Amöbendasein, lässt der Bub die Hyäne in seinem Kopf über sein Tun bestimmen.

Ein ergreifendes Buch bei dem man schnell zum Nachdenken kommt, fassungslos ist über solche Umgangsformen und selbst manche Fassade ein wenig hinterfragt.
Das Buch ist sehr gut aufgebaut, die einzelnen Szenen ausführlich beschrieben und von der ersten bis zur letzten Seite zieht sich ein roter Faden.
Für mich war das Ende allerdings ein bisschen sehr überzogen, deshalb ein Stern Abzug bei der Bewertung.
Wahnsinnig intensiv erzählt 24. April 2020

Wahnsinnig intensiv erzählt

Inhalt:
Nach außen wirkt alles ganz normal und liebevoll: Der Vater geht arbeiten, die Mutter versorgt Haushalt und Kinder. Diese vergnügen sich im Sommer im Planschbecken im Garten und beim Eisessen. Doch die Wahrheit ist eine andere: Die Kinder sind gefühlsmäßig sich selbst überlassen, der Vater giert nach Macht, die Frau erstarrt in Angst vor ihm. Nur das zehnjährige Mädchen zeigt Größe. Es kümmert sich liebevoll um den kleinen Bruder, fühlt sich aber auch selbst total alleingelassen. Dann geschieht vor den Augen der Kinder ein Unglück, das sie innerlich zu zerstören droht.

Meine Meinung:
Adeline Dieudonné erzählt sehr eindringlich und wortgewaltig. Der Roman übte vom ersten Satz an einen Sog auf mich aus. Ich wollte am liebsten wegschauen, konnte es aber nicht. Dafür war das Kopfkino zu gewaltig. Gleichzeitig wurde auch meine Fantasie angestachelt und mir war schon Angst vor dem, was noch passieren würde.

Auf so wenigen Seiten gelingt es der Autorin, fünf grausame Jahre im Leben der namenlosen Ich-Erzählerin darzustellen und dabei alles Wichtige zu sagen. Der Schreibstil ist klar und präzise, eher kühl. Da ist kein Jammern oder Selbstmitleid, nur knallharte Analyse - und gerade dadurch umso bewegender. Adeline Dieudonné erzählt mit schonungsloser Offenheit, egal ob es um körperliche oder seelische Gewalt geht. Das ist starker Tobak.

Aber viel von dem Schlimmen wird hier aufgefangen durch die starke Protagonistin, die sich nicht unterkriegen lassen, sondern auch noch ihren Bruder retten will. Ihre Kraft und Willensstärke erzeugt so viel Hoffnung, dass man das Buch trotz all der fürchterlichen Ereignisse doch gerne liest und am Ende mit einem zufriedenen Seufzer zuklappt.

Fazit:
Ein hervorragender Debütroman, den ich gerne weiterempfehle, da er mich wirklich beeindruckt hat.

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