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Davor und Danach

Davor und Danach

Überleben ist nicht genug | Nicky Singer

Taschenbuch
2019 Dressler Verlag Gmbh
Auflage: 1. Auflage
384 Seiten; 210 mm x 146 mm; ab 14 Jahre
ISBN: 978-3-7915-0100-0

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Langtext
Was zählt, wenn die Welt am Abgrund steht? Verändern Klimawandel und Flucht unsere Menschlichkeit?
Die 14-jährige Mhairi lebt in einer Welt, in der es zu viele Menschen gibt und Wasser nur noch im Norden zu finden ist. Sie besitzt zwei Dinge: einen Revolver und ihre Papiere. Ihr einziges Ziel ist es, zu überleben. Dank ihrer Papiere wird es Mhairi bis in den Norden schaffen. Hoffentlich. Doch dann trifft sie kurz vor dem Grenzpunkt einem kleinen Jungen. Ist sie bereit, alles für ihn zu riskieren?
Spannend, politisch und hochaktuell - dieser Roman von Nicky Singer ist so brisant wie die Jugendbücher "Die Wolke" oder "Nichts" von Janne Teller. Eine berührende Geschichte über Klimawandel, Überbevölkerung und den Umgang mit Flüchtlingen.


Johanna, 15 Jahre aus Breitenbach, 10. Dezember 2019
Der Name der Protagonistin im Buch ?Davor und danach ? Überleben ist nicht genug? von Nicky Singer ist Mhairi Anne Bain, und dem Buch nach zu schließen lebt sie irgendwann in der Zukunft, in einer sehr brutalen und beängstigenden Zukunft. Ursprünglich stammt Mhairi aus Schottland, genauer gesagt wurde sie auf einer kleinen Insel namens Arran geboren, wo sie aber schon bald mit ihren Eltern fortzog und ihre Großmutter zurückließ. Ihre späte Kindheit verbringt sie im Sudan, wo ihre Mutter, eine Wissenschaftlerin, Arbeit in der Forschung findet und ihr Vater ihr alles wichtige beibringt. Wie man ein Feuer mit einem Feuerstein macht zum Beispiel. Wie man sich am Stand der Sterne orientiert. Wie lange ein Mensch ohne Wasser oder Essen überleben kann.

Doch als die Regierung anfängt, die Grenzen zu schließen und es im Sudan immer trockener wird, wollen die Eltern mit Mhairi zusammen zu ihrer Großmutter nach Arran ziehen. Wie gesagt spielt das Buch in der Zukunft, Erderwärmung, Völkerwanderung und zu viele Menschen sind ein großes Thema, aber dieses wird leider nicht so viel thematisiert, wie ich es mir gewünscht hätte.

An der Grenze kommt es zu Turbulenzen wobei Mhairis Eltern und der Arbeitskollege ihrer Eltern getötet werden, also flüchtet sie mit dem Sohn des Arbeitskollegen in die Wüste. In der Wüste geschehen einige Dinge, die ich jetzt hier nicht genauer verraten möchte, da sonst die ganze Spannung beim Lesen des Buches verloren gehen würde. Fakt ist, dass nur Mhairi es schafft, nach England zu kommen und dort schließlich auf einen kleinen, sehr klugen Jungen trifft, der jedoch nicht spricht, den sie aber auf ihrer Reise zu ihrer Großmutter mitnimmt.

Im ?Danach? wie Mhairi sagt, gelten keine Regeln mehr, ohne Pass ist man verloren, Menschen durchwandern ganze Kontinente auf der Suche nach einem Platz zum Leben, den sie jedoch selten finden, da immer mehr Länder keine Flüchtlinge mehr aufnehmen wollen. Neuerdings gibt es auch die sogenannte Nadel, das bedeutet, dass aufgrund der zunehmenden Weltbevölkerung alle Menschen, sobald sie das Alter 74 erreicht haben, durch eine Giftnadel getötet werden müssen, da sonst die Erde überbevölkert würde.

Auf ihrer Reise werden Mhairi und der kleine Junge von Soldaten aufgegriffen und in ein Auffanglager gebracht, von wo sie jedoch bald fliehen können und sich weiter bis nach Schottland durchschlagen. Da Mhairis Pass ihr von den Beamten abgenommen wurde und der kleine Junge gar keinen besitzt, lügt Mhairi ihre Großmutter vorerst an, und erzählt ihr, dass ihre Eltern den Jungen adoptiert hätten, was natürlich nicht der Fall ist. Es geht etwas drunter und drüber und am Ende entscheidet sich: dürfen sie beide auf Arran bleiben oder muss der Junge in sein Heimatsland abgeschoben werden?

Das Buch war meiner Meinung nach sehr spannend aufgebaut, hätte aber durchaus mehr Potential gehabt. Die Welt, in der Mhairi nun lebt, hätte viel besser beschrieben und dargestellt werden können und oft konnte ich mir gar nicht genau vorstellen, wie die Zukunft in diesem Buch nun wohl aussieht. Die Beschreibungen der Landschaft waren mir oft zu schwammig und ungenau und dafür, dass dies ein wunderbares Thema ist, war es mir oft zu wenig durchdacht. Die Personen wurden gut, jedoch nicht sehr einfühlsam beschrieben, so dass sie mir manchmal wie Fremde vorkamen, die man nicht so richtig einschätzen kann. Erst im Laufe des Buches erfährt man von Mhairis sehr krassen Erlebnissen in der Wüste, was ich gut fand, da so die Spannung im Buch aufrecht erhalten wurde. Wie bereits erwähnt gefällt mir das Thema sehr gut, auch die Ideen dazu, wie beispielsweise die Erfindung der Nadel sehr kreativ, jedoch noch nicht genug ausgereift und aufgearbeitet.

Mhairis Gefühlswelt wurde anschaulich und detailliert dargestellt, jedoch nicht sehr komplex. Insgesamt fand ich die Geschichte mit dem Jungen gut, genauer gesagt, dass Mhairi diesen zuerst nicht mitnehmen will, dann aber Mitleid mit ihm bekommt und sie die Reise zu ihrer Großmutter gemeinsam durchstehen. Denn obwohl sie beispielsweise im Auffanglager getrennt sind, finden sie doch immer Wege, dem anderen zu helfen, was ich sehr schön fand.

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Testleserin Emily, 13 Jahre aus Hall:

Die Welt ist ein einziges Chaos. Alle Menschen des Zentraläquators flüchten nach Norden. Auch Mhairi flüchtet. Sie ist 14 Jahre alt, in Schottland auf der Insel Arran geboren und mit 7 Jahren mit ihrer Familie in den Sudan gezogen. Ihre Eltern werden grundlos erschossen, und sie reist mit dem Sohn eines Freundes der Familie weiter. Dieser stirbt allerdings auch und sie kommt allein nach Heathrow, London. Man denkt, wenn sie es bis nach England geschafft hat, ist es nicht mehr weit bis nach Schottland, doch das täuscht. Sie trifft einen kleinen, stummen Jungen, mit dem sie so einiges erlebt. Ihr Ziel ist das Haus ihrer Großmutter. Doch als sie endlich dort ankommt, hat sich einiges verändert?

?Die Welt ist schön Papa.? und ?Ich lebe noch Mama.? Dies sind zwei Sätze, die Mhairi immer vor dem Schlafen gehen sagt. Ihr Vater war ein glücklicher, friedvoller und philosphischer Mensch. Ihre Mutter war eher der praktische Typ. Ihre letzten Worte waren: ?Bleib am Leben Mhairi.? Und das schafft Mhairi ziemlich gut. Aber ist Überleben allein genug?

Das Buch ist für Mädchen und Buben, ab ca. 12 Jahren geeignet. Mir gefällt Nicky Singers Schreibstil sehr gut, und das Buch ist interessant, traurig, spannend und optimistisch. Man lernt über den Umgang mit Leid und lernt seine Familie, Freunde, Essen, Trinken und ein Zuhause mehr zu schätzen. ?Zeit? wird sehr ausführlich und interessant beschrieben. Die Hauptperson lebt unter so schlechten Bedingungen und trotzdem freut sie sich und sagt, dass die Welt schön ist.

Viele ungenutzte Chancen, definitiv keine wirkliche Dystopie und ein unverständlicher Hype 23. Februar 2019
von Lotta
Mhairi ist unterwegs zu ihrer Großmutter, zu Fuß, denn die Grenzen sind geschlossen. Sie hat kein Geld mehr, jedoch noch ihre Papiere. Volljährig ist sie mit ihren 14 Jahren auch noch nicht, sie muss es unbedingt zu ihrer Großmutter schaffen. Doch dann trifft sie kurz vor der schottischen Grenze auf einen kleinen Jungen, den sie nicht einfach sich selbst überlassen kann...


Versprochen wurden aktuelle Themen wie Flucht und Klimawandel. Da die Flucht von Mhairi im Vordergrund steht, dabei das Grauen von Auffanglagern, die Willkürlichkeit von Mensch und Gesetz erwähnt werden, kann eine gewisse Aktualität nicht abgesprochen werden. Doch eine Flucht durch den Klimawandel, naja, es wurde kurz erwähnt, aber das war es auch.
Auch am Ende des Buches ist noch nicht wirklich klar, warum Mhairi zu Anfang noch mit ihren Eltern aus dem Sudan geflohen ist.

Eine Dystopie liegt leider zudem auch nicht vor, denn das Buch spielt zwar in der Zukunft und das beschriebene kann wirklich passieren. Doch Mhairi steht mit ihrer Ich-Perspektive so im Vordergrund, dass nichts anderes durch kommt. Die Welt um sie herum wird nur unzureichend beschrieben, so tauchen zwar hier und da ein paar technische Spielereien auf, die jedoch nie erklärt werden und das war es auch schon vom Danach. Das Davor kennen wir alle, es ist die aktuelle Welt.

Mhairi berichtet in der bereits angesprochenen Ich-Perspektive in kurzen abgehakten Sätzen, vergisst dabei immer wieder den Leser auf ihrer Reise durch beschreibende Elemente wirklich mit zu nehmen. Etwas, was wirklich deutlich wird, sind die Probleme, vor allem psychischer Natur, die ein Mensch auf der Flucht ertragen muss. So versucht sie sich all dem durch eine selbst geschaffene Festung zu entziehen und das erlebte Grauen wegzuschließen.

Insgesamt war die Chance da, eine Dystopie zu kreieren, die zum Nachdenken anregt und das Ändern der eigenen Verhaltensweisen zu ermöglichen. Das Buch ist jedoch auf voller Linie gescheitert. Ich weiß auch Stunden nach Beenden des Buches nicht wirklich, was es mir sagen will, sodass mir der Hype, um dieses Buch vollkommen unverständlich ist. Einzig positiv ist, dass die kurzen Sätze einen das Buch in sehr schneller Geschwindigkeit lesen lassen. So bewerte ich mit 2 von 5 Sternen.
Hochaktuelle Flüchtlingsgeschichte 04. Februar 2019
Schritt für Schritt führt die junge Heldin Mhairi, in Schottland geboren und dorthin zurückkehrend, den Leser in das Leben ein, das sie im Sudan hinter sich hat. Dort hat sie bereits Schreckliches erlebt, dort wurden ihre Eltern getötet. Nicht nur physisch, auch psychisch ist sie bereits stark geschädigt und traumatisiert. Indem das Mädchen in Gedanken oft bei ihren toten Eltern sein kann, sich direkt an sie wendet, sind diese ihr immer noch eine grosse und notwendige seelische Stütze.
Als dann der stumme Junge, Mo, auftaucht und ihre Hilfe benötigt, hat sie eigentlich keine übrige Kraft mehr, um sich auch noch um ihn zu kümmern. Mhairi muss einerseits vieles in ihre innere Festung zurückdrängen, damit sie durch diesen Schutzpanzer überleben kann. Andrerseits sollte sie folgenschwere Entscheidungen treffen, für die sie eigentlich noch zu jung ist. Dazu kommt noch die Enttäuschung, die sie in Schottland erwartet. Dort möchte sie nämlich auf die Insel Arran gelangen, zu ihrer Grossmutter.
Der Schreibstil trägt dem psychischen Zustand des Mädchens Rechnung. Genauso wie der Weg der Flüchtlinge vom Sudan in den Norden, kann der Text naturgemäss kein ruhig dahinfliessender Erzählstrom sein. Er ist manchmal hart, teils holprig und kurvenreich. Die metaphernreiche Sprache vertieft die Bilder, die in der Fantasie des Lesers entstehen.
Auch wenn hier eine Zukunftsvision gezeichnet wird, ist die Situation sehr ernst zu nehmen. Es könnte durchaus sein, dass sich Europa gegenwärtig erst am Anfang der grossen Flüchtlingsströme befindet.
Diese Geschichte öffnet die Augen über unseren verschwenderischen Umgang mit den Ressourcen, den damit verbundenen universellen Klimawandel und wie sehr Menschen anderer Erdteile unverschuldet darunter leiden, ja um ihre Existenz kämpfen müssen. Auf das Danach wird nicht so gross eingegangen, aber das ist auch nicht nötig, weil leicht vorstellbar.
Sehr ansprechend das (rundum!) gestaltete Äussere, wobei der Aufdruck am Buchschnitt dem Titel Rechnung trägt. Vermutlich wird diese Ungewöhnlichkeit gerade bei den Jugendlichen besonders geschätzt werden.
Das Buch zeigt unter anderem die vielfach unbekannte Perspektive der Flüchtlingsströme auf, die verheissungsvolle, ersehnte, erhoffte, aber auch die enttäuschende Seite. "Davor und danach" sollte Pflichtlektüre für Oberstufenschüler sein.